Basismethoden der Kommunikation


Quer über viele Therapie- und Beratungsschulen hinweg haben sich grundlegende, basale Kommunikationsmethoden herauskristallisiert, die von Fachkräften genutzt werden können, wenn sie in der beruflichen Kommunikation gute Gespräche führen und schwierige Situationen bewältigen wollen. Diese Methoden basieren in der Regel auf vorhandenen intuitiven Kommunikationskompetenzen; Professionalität zeigt sich im bewussten und reflektierten Einsatz dieser Methoden.


Die folgende Auflistung spricht die aus meiner Sicht wichtigsten Kommunikationsmethoden an, die zusammengenommen ein „Basispaket“ darstellen. Es gibt viele weitere Kommunikationsmethoden und es mag auch andere Priorisierungen geben. Doch dieses „Paket“ hilft mir seit vielen Jahren, beruflich und auch im Privatleben besser klarzukommen. Die Darstellung ist sehr pointiert, Missverständnisse sind möglich und manches ist erklärungsbedürftig. Literaturhinweise finden sich am Ende.


Offene Fragen

  Offene Fragen regen Reflexionsprozesse an, während geschlossene Fragen eher dem Informationsgewinn dienen.

   Wertschätzung – Würdigung

 

Wertschätzende Rückmeldungen

 Die Basis von wertschätzenden Äußerungen ist die Haltung der Ressourcenorientierung. Würdigungen nehmen unserem Gegenüber seine Unsicherheit und mindern seine Ängste, und die anerkennende Rückmeldung von Ressourcen hilft der Gesprächspartnerin, eigene Lösungen zu finden und die Ressourcen dazu zu nutzen.

Beachte:

  • Im Zustand der Angst – wenn Eltern oder Jugendliche also mit Misstrauen und Befürchtungen ins Gespräch kommen -  können sie nicht gut denken!
  • Traditionelle Haltungen im Sinne von „Ich sage schon, wenn es nicht schmeckt!“ oder „nicht gemeckert ist gelobt genug!“ sind zwar weit verbreitet, aber kommunikativ antiquiert.
  • Wertschätzung ist besonders dann wichtig, wenn ich beim Gegenüber keine Ressourcen wahrnehmen kann. Dann ist nicht das Problem, dass er keine hätte, sondern dass ich sie nicht wahrnehme!

 

Aktives Zuhören/Spiegeln

 Das „Aktive Zuhören“ hat die Funktion, den Reflexionsfluss meines Gegenübers aufrechtzuerhalten. Gleichzeitig entsteht das Gefühl, verstanden zu werden, und mindert Angst und Unsicherheit und Schuldgefühle. Es gibt drei Varianten, die nicht besser oder schlechter sind, sondern Alternativen darstellen:

a.                 wörtliche Wiedergabe bzw. Wiedergabe mit eigenen Worten

b.                Reflektierte Wiedergabe (es werden Hypothesen und Vermutungen angesprochen, die nicht gesagt sind, aber mitschwingen)

c.                 Reflektierte Wiedergabe mit Bezug auf die Emotionen (Es werden die Emotionen angesprochen, die nicht gesagt werden, aber spürbar sind).

Beachte:

Gesprächstechnisch sind Formulierungen wie „Verstehe ich sie richtig, dass …“ tendenziell hinderlich und werden als „psychologisch“ empfunden. Es reicht, in aktiven Sätzen zu formulieren.

 

Zusammenfassungen

 Das Resümee von Gesprächssequenzen kann als erweiterte Form des „Aktiven Zuhörens“ betrachtet werden. Es spiegelt nicht nur einzelne Inhalte, sondern den Gesprächsverlauf und den Prozess. Zusammenfassungen ermöglichen es dem Gesprächsführenden besonders in komplexen Gesprächssituationen, sich selbst zu sortieren, doch ermöglichen sie andererseits auch dem Gegenüber, sich zu sortieren und Entscheidungen zu treffen, in welche Richtung das Gespräch weitergehen kann.


Informationen und Rat anbieten

Fachkräfte und Eltern besitzen manchmal eine Expertise, die sie zur Verfügung stellen können, und können manchmal auch hilfreiche Vorschläge für Problemlösungen machen. Diese Methode basiert auf drei Prinzipien:

  • Zunächst ist es wichtig, dass Gegenüber mit seiner Situation und seinen bisherigen Lösungsversuchen besser zu verstehen.
  • Einen qualitativen Unterschied zu „Ratschlägen“ erzeugt die Bitte um Erlaubnis, Informationen zu vermitteln oder Rat zu geben.
  • Im Anschluss an Rat und Informationen geht die Verantwortung für die Lösung zurück an das Gegenüber mit Fragen wie
  • „Was können sie damit anfangen?“
  • „Was passt zu ihnen?“


Feedback

 Rückmeldungen können zum Verhalten und auch zur Entwicklung gegeben werden. Im Unterschied zu „Lob“ oder „Kritik“ basiert Feedback auf der Beschreibung der Wahrnehmung des Verhaltens oder des Entwicklungsprozesses z.B. eines Lernenden mit möglichst konkreten Worten und ergänzt die Beschreibung um das Gefühl des Feedbackgebers (sowohl positive wie negative Gefühle). Feedback vermeidet Bewertungen und Generalisierungen („immer …“, „nie …“).

Wichtig:

  • Eine Fehl-Form des Feedbacks ist das „infizierte Lob“ („Das hast du gut gemacht, warum nicht immer so?) oder das „leere Lob“ („Gut gemacht!“)
  • Loben ist insgesamt kritisch zu sehen, weil es hierarchische und bewertende Implikationen hat.


Ich-Botschaften

 Eine Form des Feedbacks sind die sog. „Ich-Botschaften“ (Thomas Gordon). Sie dienen der Problemklärung und Problemlösung. Die Person, die ein Problem mit dem Verhalten einer anderen Person hat, beschreibt zunächst das Verhalten der anderen Person (keine Bewertungen, keine Interpretationen!) und benennt dann die Auswirkungen des Verhaltens für die eigene Person. Schließlich wird das Gefühl geschrieben, dass das Verhalten auslöst.

Auf die Reaktion desjenigen, dem die „Ich-Botschaft“ mitgeteilt wird, reagiert die Sprecherin wiederum mit Empathie und Aktivem Zuhören.

Wichtig:

Die „Ich-Botschaft“ basiert auf dem Konzept des „Problembesitzes“. Im Unterschied zu intuitiven Kommunikationsstrategien, in denen das Problem der Person zugeschrieben wird, dessen Verhalten als problematisch wahrgenommen wird, geht Gordon davon aus, dass derjenige, der ein Problem wahrnimmt, das Problem hat. Beispiel: Ein Schüler kommt zu spät in den Unterricht. Traditionellerweise wird dem Schüler ein Problemverhalten zugeschrieben. Stattdessen geht Gordon davon aus, dass die Lehrkraft ein Problem durch die Störung hat und durch die Notwendigkeit, eine Regeldurchsetzung herbeiführen zu müssen.


Literatur

Bartscher, Matthias (2021): Bildungs- und Erziehungspartnerschaften in Schulen

  • Zusammenarbeit mit Eltern lebensweltorientiert planen und gestalten (Band 1), Hannover, Friedrich-Verlag.
  • Beziehungen motivierend gestalten und inspirierend kommunizieren! (Band 2), Hannover, Friedrich-Verlag.

Gordon, Thomas(1977): Lehrer-Schüler-Konferenz: Wie man Konflikte in der Schule löst, Hamburg

Rosenberg, Marshall B. (2016): Gewaltfreie Kommunikation: Eine Sprache des Lebens. Paderborn

Miller, William R.; Rollnick, Stephen (2004): Motivierende Gesprächsführung, Freiburg

Simon, Fritz; Rech-Simon, Christel (2018-13): Zirkuläres Fragen: Systemische Therapie in Fallbeispielen: Ein Lernbuch, Heidelberg